Was ich immer schon mal loswerden wollte: LEBT!

Auf der einen Seite habe ich in den letzten Jahren ein komplettes Adressbuch in die Tonne gedrückt. Dafür durfte ich auf der anderen Seite, Menschen kennenlernen, die ich nicht mehr missen möchte. Während meiner Krebstherapie durfte ich erfahren, es gibt diese Menschen, die unsere Welt jeden Tag ein Stück besser machen.

Sie stehen ungern im Rampenlicht, sie machen einfach. Sie sind da. Sie hören zu. Sie urteilen nicht. Sie freuen sich mit einem. Sie sind bescheiden. Sie haben mir etwas zurückgegeben, was ich völlig verloren hatte: Vertrauen in mich und wieder in die Welt.

Auch möchte ich davon erzählen, dass ich durch die Diagnose Brustkrebs etwas geschenkt bekam (sie hat nicht nur gefordert und genommen), was ich überhaupt nicht mehr kannte: Menschlichkeit und das Gefühl, so kann Leben auch sein.

Als ich 2011 meine beiden Kopf OP’s  unerwartet überlebte, fand ich nicht ins Leben zurück. Meiner Seele und meinem Körper fehlten einfach die Kraft für das Leben, aber auch die Kraft, das Leben zu beenden (dafür war ich schlichtweg zu feige). So befand ich mich über Jahre in einer Art Schockstarre, aus der ich nicht mehr herausfand. Während der Diagnose-Stellung meines Brustkrebses und späteren Therapie lernte ich Menschen kennen: Menschen, die sahen was mit mir los war.

DANKE!

Ich möchte den Gesunden sagen: Lebt im Jetzt und nicht im Morgen (mehr haben wir nicht, alles andere ist reine Illusion). Gleich könnt ihr ein Bonbon verschlucken und schon ist es vorbei. (Das passierte 2011 einem Bekannten, als ich auf der Intensivstation im Sterben lag. In seiner Eile hatte er ein Hustenbonbon in die Luftröhre bekommen und ist daran erstickt.).

Das Leben ist unberechenbar. In den letzten Jahre habe ich so viele Schicksalsschläge gesehen, so viel Tod miterlebt, sodass ich es für mich reine Glücksache ist, meinen Lebensweg bis hierhin überhaupt geschafft zu haben.
Deshalb möchte ich weiter davon erzählen, dass Krankheit und Tod, Teil unseres Lebens ist. Die einen gehen früher, die anderen schaffen es länger. Egal wer wir sind, wir werden alle gleich enden und in 100 Jahren sind wir sowieso alle tot. Also, was soll oft der Scheiß, den wir uns gegenseitig antun. Es könnte manchmal so einfach sein, wären wir nur ein wenig ehrlicher zu uns selbst und zu den anderen und wenn wir verstehen würden, dass wir nur Gast auf dieser Erde sind.

Handelt und seht mit dem Herzen! Macht das, wozu Euch schon immer der Mut gefehlt hat! Lebt!