Happy End?

Wir alle wünschen uns ein glückliches Ende. Mit dem Lauf am 4. Mai 2021 war die Geschichte, die ich hier erzählt habe, abgeschlossen.

Das war mein undramatisches Happy End. Kein Feuerwerk. Kein Jubeln. Nichts.

Ich wollte keine Krebsbloggerin oder -aktivistin werden, keinen Job daraus machen, wie einige von uns Betroffenen, um anderen Betroffenen während ihrer Diagnose und der darauf folgenden Therapie beizustehen. Dafür gibt es Fachkräfte, wie ausgebildete Psychoonkologen und andere, die es können. Ich wollte nur weg von Krankheit, Krebs, Kampf und was die Diagnose an Ängsten, körperlichen Einschränkungen und Nebenwirkungen alles mit sich brachte und bringt. Ich wollte wieder normal sein. Zurück auf Anfang und all die an Krankheit verlorenen Jahre gesund erleben.

– Wieder dazugehören. – 

Kein Hinfallen mehr. Kein zum hundertsten Mal Aufstehen mehr und Krönchen richten. Lächeln.

– Einfach nur leben und atmen. –

Normaler Alltag ist bei mir Geschichte. Jeder neue Tag muss mit meinem Kopf und meinem Körper aufs Neue ausgehandelt werden.

Die Jahre nach den beiden akuten Erkrankungen waren brutal. Lange lebte ich in dem Glauben, wenn das alles vorbei ist, DANN kommt das große Glück oder ich fange gesund wieder von vorne an.
Das „Wenn…, dann …!-„Spiel“ hat mich über Jahre getragen. Nur kam „DANN“ eben nicht. Hinzu kam das „Was wäre… ,wenn …-Spiel“. Was wäre gewesen, wenn ich keinen Hirntumor gehabt hätte? Was wäre gewesen, wenn ich … Die  Spiele waren abendfüllend, brachten nur nichts. Das Leben ging einfach weiter und ich musste mit all meinen Ängsten und Einschränkungen lernen, genau dies zu akzeptieren.

Die anderen, die ich immer, „Ihr da draußen“ genannt hatte, blieben dieselben. Die Lebensgeschichten meiner Freundinnen und Freunde haben absolut nichts mehr mit mir und meinem Leben zu tun. Meine Welt interessierte und interessiert sie nicht, und wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, interessiert ihre mich auch nicht. Meine Eltern sind in den letzten Jahren verstorben. Zu meinen Geschwistern und Neffen habe ich keinen Kontakt.

Es gibt sie aber, die Menschen, die sich für mich und mein Leben interessieren und daran teilhaben möchten: Freundinnen und Freunde, die in den letzten Jahren neu hinzugekommen sind, und auch alte Freundschaften, die ich wiedergewonnen habe. Manche sind all die Jahre tatsächlich geblieben.

Meine Selbstständigkeit als Kulturmanagerin musste ich auch gründlich überdenken. Die Kunstwelt befindet sich in einem rasanten Wandel und da bin ich echt raus. Irgendwann muss man den Stab an die junge Generation weitergeben. Ich tat es aus Überzeugung. Die Leidenschaft und Liebe zur Kunst ist jedoch ungebrochen.

An einer Fortsetzung meines Blogs hatte ich gelegentlich mal gedacht. Als ich darüber mit einer Freundin sprach, meinte sie: „Wen interessiert das?“ „Mich“, dachte ich daraufhin. Sagte aber nichts und ließ ihre Antwort so stehen.